Stromversorgung ist keine Sache von Grosskonzernen

Kürzlich hörte ich eine Rede der BKW-Chefin, welche sagte, die Zukunft der BKW liege nicht in der Energieerzeugung. Das werde in Zukunft durch immer mehr kleine, regionale Energiewerke erledigt werden. Der Trend geht jetzt schon eindeutig in die Richtung. Wichtiger ist für sie in Zukunft das Stromnetz, welches die Verteilung gewährleistet.
So sehr mich diese Aussage überrascht hat, so sehr hat sie mich auch gefreut. Ich hätte nicht gedacht, dass die Erkenntnis schon so weit fortgeschritten ist, und vor allem auch in der Anerkennung der Sinnhaftigkeit dessen.

Wir brauchen heute nicht einfach nur Strom, sondern unser Leben hängt davon ab. Ohne Strom steht nicht nur das öffentliche Leben still, sondern wir kommen an so gut wie keine Lebensmittel mehr (höchstens wir wohnen neben einem Bauern) und an vielen Orten würde sogar der Wasserhahn trocken bleiben. Das ist den meisten Menschen nicht bewusst. Aber den Politikern und den involvierten Unternehmen, wenn sie von Versorgungssicherheit sprechen, umso mehr.
Versorgungssicherheit hat mehrere Aspekte und man kann sie sehr flexibel auslegen. Welchen Wert nimmt man nun als Massstab einer gegebenen Versorgungssicherheit, wenn man als grosser Konzern mit dem Verkauf von Strom seinen Aktionären auch noch dienen möchte und das in einem Wirtschaftssystem, das auf Wachstum basiert und sich somit in einem Konkurrenzkampf auf einem Markt gegen andere behaupten muss? Oder als kleines regionales oder sogar lokales genossenschaftliches Unternehmen, dass für eine Stadt, eine Gemeinde oder auch nur eine Siedlung verantwortlich ist? Welche Sicht vertreten Politiker, die einerseits die Sicht des Volkes vertreten sollen, aus dem politischen Selbsterhaltungstrieb den Wohlstand ohne Verzicht garantieren müssen, andererseits an Grossunternehmen beteiligt sind, deren Gewinn oder Verlust die Bilanz des Regierungsbezirks (z.B. Kanton) massgeblich beeinflussen? Wobei der Wohlstand des Volkes mit unendlich wachsendem Konsum, sicheren Arbeitsplätzen und einem nachhaltigen, naturerhaltenden Wirtschaften gleichgesetzt wird. In sich paradox.
Grosskonzerne brauchen immer neue und grössere Absatzmärkte. Dies ist nur möglich, wenn der Energieverbrauch steigt, oder wenn sie sich gegenseitig dauernd die Kuchenstücke wegnehmen. Da Letzteres anstrengend und frustrierend ist, ist Ersteres anzustreben. Wenn dann auch noch Elektrogeräte immer effizienter werden, ist es umso wichtiger, dass es immer mehr davon gibt. Darauf allerdings können sie sich verlassen, da auch der Rest der Wirtschaft wachsen muss und das gleiche Ziel hat, immer mehr zu produzieren und zu verkaufen. Das heisst aber auch, die ganze Effizienzsteigerung der letzten Jahre hat den Energieverbrauch keinesfalls gesenkt, sondern immer mehr gesteigert. Mit dem technologischen Fortschritt und der Ausdehnung auf immer mehr Gebiete, sind wir in unserer Versorgungssicherheit im Alltag, neben dem höheren Verbrauch, auch immer abhängiger davon geworden.
Wenn ein grosser Konzern dies leisten muss, dann ist bei einem Produktionsengpass oder -ausfall, immer ein sehr grosses Gebiet und ein sehr grosser Teil der Bevölkerung betroffen. Hat ein regionales Unternehmen eine Panne, sind Wenige betroffen und die regionalen Nachbarn können mit Strom, oder der notwendigen Alltagsversorgung aushelfen.
Aus diesen Beispielen heraus erkennen wir ganz klar den Vorteil und die Sicherheit in der Versorgung durch lokale Stromproduzenten, welche ausserdem die Versorgungssicherheit in Vordergrund stellen und nicht den Erlös aus der Produktion und dem Verkauf. Wenn eine Gemeinschaft sich selber versorgt, dann setzt sie sich sehr kritisch mit allen 3 Punkten auseinander. Wofür produziere ich, wie produziere ich und wie sieht das Notfallkonzept bei einer Unterversorgung oder einem Ausfall aus.
Aus Sicht der Konzerne würde eine Selbstverantwortung für die Erzeugung ihres verbrauchten Stroms ein anderes Denken hervorbringen. Heute ist ein gängiges Modell der Marktwirtschaft, wer grosse Mengen kauft, bekommt Mengenrabatt. Bei einer Selbstversorgung wäre das nicht mehr der Fall. Erst Recht nicht, wenn ein Verbot oder eine sehr starke Besteuerung von fossilen Energien bzw einem umweltschädlichen Verhalten den Anreiz für ein Umdenken unterstützen würde. Auch Unternehmen, die an der lokalen Versorgung einer Gemeinde hängen, werden bei einer genossenschaftlichen Ausrichtung des Versorgers, ihr Verhalten den Zielen der Genossenschaft anpassen müssen. Für Grosskonzerne aus meiner Sicht undenkbar. Innovationen und technologischer Fortschritt im Bezug auf weniger Verbrauch, oder sogar noch das Umdenken im Bezug auf Marktwirtschaft und Konsum wäre sicher eine Folge davon.
Effizienz führt uns nicht in eine versorgungssichere Zukunft, schon gar nicht auf Basis von erneuerbaren Energien. Nur mit Suffizienz und dem radikalen Überdenken unseres von der Technik abhängigen Wohlstandbildes können wir ein böses Erwachen eines Tages verhindern.

Sieglinde Lorz

Die Welt wurde zu Geld – Die Umkehr

Ich beginne gerne mit einem Zitat aus dem Buch „Ökonomie der Verbundenheit“ von Charles Eisenstein „Wie kann man überleben (…) in einer Welt, welche die Zerstörung genau jener Dinge belohnt, die man bewahren möchte?“
In den letzten beiden Jahrhunderten haben wir uns damit beschäftigt, den Wohlstand mit Hilfe von bahnbrechenden Technologien zu erheben und zu verbreiten. Trotz all der verheerenden Auswirkungen, tun wir es erstaunlicherweise immer noch.
„Im Zeitalter der Zinsen, also im Zeitalter des Wachstums, war es die primäre Triebkraft hinter jeder neuen Technologie, neue Bereiche für die Umwandlung von natürlichem und sozialem Reichtum in Geld zu erschliessen“ so Eisenstein. Nun sitzen wir da auf unseren Müllbergen, zerstörten Landschaften und in Betonwüsten und führen bald die letzten Kriege um Öl, Wasser, Boden und Luft. So sauber wie dies noch sein kann, nach all dem künstlichen Wohlstand. Auch wenn das neue Phone noch so „smart“ ist, es kennt die Lösung nicht. Guter Rat wäre teuer, meint man, doch er ist es nicht. Es gibt ihn fast kostenlos von wirklichen Vordenkern, wie auch Eisenstein mit seinem beglückenden Buch. Doch das will in den Führungsetagen der Welt keiner hören. Sie machen lieber weiter mit noch mehr Kriegen, noch mehr Wirtschaftswachstum und noch mehr Problemen.
Also ist es an uns, die Umkehr einzuleiten. Auf die Mächtigen dieser Welt ist kein Verlass. Im Gegenteil, wir sollten es leise und emsig an vielen unterschiedlichen Enden tun, damit sie es nicht merken und uns dabei nicht stören.
Nun müssen wir diesen Geld, das man nicht essen kann, nehmen und wieder zurückverwandeln in das, was bleibenden und nährenden Wert hat und was uns Unabhängigkeit von diesem Machtkonstrukt bringt – in Natur! Starten sollten wir dabei mit einem Kulturwandel. Es beginnt also, wie immer, in den Köpfen der Einzelnen und verbreitet sich über die Kultur einer Gemeinschaft in der Gemeinschaft und darüber hinaus.

Hier komme ich gerne auf die Pioniere der Permakultur zurück. Einerseits die beiden Australier Bill Mollison und David Holmgren welche 1978 diesen Begriff prägten und ein Konzept erstellten, damals für landwirtschaftliche Systeme. Anderseits im europäischen Raum war es der Österreicher Sepp Holzer, welcher 1979 spezialisierte Anbaumethoden im alpinen Bereich umsetzte. Zwischenzeitlich hat sich das Konzept geografisch stark verbreitet und renaturiert komplett verwüstet Landstriche sehr erfolgreich. Beispiele gibt es in Entwicklungsländern wie Indien, China, Jordanien, Kenia, aber auch im europäischen Raum wie Spanien, Portugal unvm. Damit verbreitet es einen wahren Wohlstand der Unabhängigkeit vor Ort und sehr viel Hoffnung für andere. Permakultur bezieht sich aber nicht nur auf die Landwirtschaft. Es hat drei Pfeiler, die sich in der Balance des Ganzen halten: earth care (ökologisch), people care (sozial) und fair share (ökonomisch). Es ist somit ein rundes Konzept entstanden, das alle Lebensräume umfasst und in nachhaltigen und lokalen Kreisläufen umsetzt. Das nach dem Vorbild der Natur.

Eine Umkehr bedeutet nun konkret, unsere Schaffenskraft in Projekte zu stecken, die nachhaltig und in geschlossenen Kreisläufen (gerne nach dem Vorbild der Permakultur) unsere unmittelbare Welt renaturieren. Das bezieht sich auf das Wohnen, das Essen und die soziale Interaktion. Ich spreche bei Letzterem bewusst nicht von Arbeitszeit und Freizeit, weil diese Trennung der Lebenszeit ein künstliches Konstrukt der geldbasierten Welt ist. Noch konkreter, heisst das: man nehme gehäuftes Geld und kaufe damit den Ort, die Bausteine und die noch nötige Entschädigung für die Arbeitskraft, um diese Projekte in die Unabhängigkeit zu realisieren. Wichtig ist zu beachten – ich betone es gerne noch einmal – es soll der Erde, der Gemeinschaft und dem (Über-)Leben dienen.

Um mit den Worten von Charles Eisenstein zu schliessen: „Deshalb sage ich, dass wir Geld verwenden werden, um Geld zu zerstören. Manchmal können die Werkzeuge des Herrn eben doch das Haus des Herrn niederreissen.“

In diesem Sinne!

Sieglinde Lorz

Charles Eisenstein „Ökonomie der Verbundenheit – Wie das Geld die Welt an den Abgrund führte – und sie dennoch jetzt retten kann“ Erschienen 2013 in deutscher Sprache im Scorpio Verlag (ISBN 978-3-943416-03-9)

Film über Renaturierung mit Hilfe der Permakultur: https://www.youtube.com/watch?v=YBLZmwlPa8A#t=1170

Warme Luft vom Klimagipfel?

Muss man Prophet sein, um vorauszusagen, dass auch von diesem Klimagipfel (Paris 2015) nur warme Luft übrigbleibt?
Auch diesmal sind die Erwartungen hochgeschraubt worden: Als „Gipfel der letzten Chance“ angekündigt, sollen alle Staaten ein gemeinsames Papier unterzeichnen können. Die Zeit ist surreal knapp: 2 Wochen!
Entweder wird das Vorhaben kläglich scheitern, oder das „Abkommen“ wird das Papier nicht wert sein, auf dem es gedruckt wird.

Fast unerträglich auch der Pathos, mit welchem der französische Präsident in der Stadt, die noch in der Terrorstarre steckt, die Weltgemeinschaft auf eine bessere Welt einschwört.

Was ist, wenn China, der grösste Emittent, nicht mitmacht?

Das Problem ist immer noch:
Alle Nationen wollen Wachstum. Wirtschaftliches Wachstum ist nicht zu haben ohne eine Zunahme des Energieverbrauchs. Noch nie ist das Gegenteil eingetreten.

Die vielbeschworene „Effizienz“ kann höchstens in Teilbereichen und höchstens zeitlich begrenzt zu einem Rückgang führen; sie hat klare Grenzen. Und auch neue Technologien werden die Menschheit nicht davon abhalten, die fossilen Energien bis zum letzten Kohlekorn, Öltropfen und Gasbläschen aufzubrauchen.

Hauptsache, die Klimagipfler können sich darauf einigen, wohin sie für das nächste Klimapalaver fliegen…

 

Thomas Schneeberger