Mobilität – Fetisch oder Bedürfnis ?

Für gewisse Politiker*innen ist Mobilität nicht ein notwendiges Übel, sondern Garantin des sozialen Zusammenhalts, Markenzeichen für Weltoffenheit und Motor des Fortschritts. So wird sie unversehens vom Mittel zum Selbstzweck. Deshalb wird hier  gefragt: Wo sollte die Mobilität in unserer Rangordnung der Werte stehen? Wieviel Mobilität brauchen wir wirklich?

Mobilität als Fetisch
In einer zeitlich weit zurückliegenden Kultur, der wir ohne Zweifel viel verdanken, galt Mobilität so gut wie nichts: im klassischen Athen. Sokrates machte keine Ferienreisen. Aber heute fliegen jährlich Hunderttausende von Zürich, Basel oder Genf in die ganze Welt und werden dadurch doch nicht klüger. Weit entfernte Reiseziele sind zu Statussymbolen geworden. Meistens werden anglophone Länder besucht, aber wenn das Ziel in Asien oder Afrika liegt, dann wagt man sich nur in die Metropolen und in speziell ausgestattete Feriensiedlungen, wo man sich mit Englisch durchschlagen kann. Deshalb erleben diese Reisenden vor allem eine touristische Inszenierung. Zwar gibt es auch Mutige, die sich von den ausgetretenen Pfaden des Massentourismus entfernen und den direkten Kontakt mit fremden Kulturen suchen (soweit dies ohne Kenntnis der Landessprache überhaupt möglich ist), aber sie sind in der Minderheit.

Der ungeheure Aufschwung des Ferntourismus hängt natürlich auch mit den Preisen der Flüge zusammen, die heute extrem tief sind. Es ist unverständlich, dass Flughäfen und Fluggesellschaften immer noch steuerlich begünstigt werden. Das Gegenteil wäre aus ökologischen Gründen richtig. Ein hoher Zuschlag für den CO2-Ausstoss und eine angemessene Entschädigung für den Lärm würden zu vernünftigen Preisen führen und auf Kurz- und Mittelstrecken die Bahn wieder konkurrenzfähig machen. Den Lärm hört man übrigens nicht nur in der Nähe der Flughäfen. Wer sich in der Schweiz fern von allen Strassen und Bahnen erholen will und sein Gehör noch nicht in Diskotheken geschädigt hat, kann mindestens einmal alle zehn Minuten einen Flieger hören, der von Zürich, Basel, Genf oder Mailand gestartet ist. Und dann sind da auch noch diese weissen Kondensstreifen, die fast immer den blauen Himmel verschandeln. Die Verursacher dieser Übel müssen endlich zur Kasse gebeten werden.

2. Wieviel Mobilität brauchen wir?
Wohnung und Arbeitsplatz sind heute fast immer räumlich getrennt. Das lässt sich kaum ändern, aber die mittlere Entfernung zwischen beiden ist viel grösser als notwendig wäre. Wenn man absieht von berufstätigen Paaren mit weit auseinander liegenden Arbeitsorten, dann sind die Gründe hohe Wohnungsmieten in den Städten, aber auch der Wunsch, im eigenen Haus im Grünen zu wohnen. Damit noch nicht zufrieden, wollen einige auch noch freie Sicht auf die Alpen oder auf einen See. Deshalb gibt es Leute, die in Bern arbeiten, aber am Thunersee wohnen. Wenn diese sich über volle Züge oder Staus auf der Autobahn zwischen Bern und Thun beklagen, dann muss ihnen gesagt werden: Ihr seid selber schuld.

Auch in der Freizeit wollen wir mobil sein. Es gehört zum menschlichen Leben, dass man Freunde und Verwandte hat, die man hin und wieder treffen will. Gegen solche Reisen ist nichts einzuwenden, wenn die Distanzen moderat sind. Auch die Teilnahme am politischen und kulturellen Leben der Region, in der man lebt, erfordert Beweglichkeit. Darauf soll niemand verzichten. Etwas anderes sind die Fahrten zu touristischen Zielen, die heute den grössten Teil des Personenverkehrs an Wochenenden ausmachen. Hier gilt: weiter ist nicht per se schöner. Wer im Mittelland oder in den Voralpen wandert, kann an einem Tag mehr erleben als bei einer Autofahrt über fünf Alpenpässe.

Helmut Knolle

„Home“ – Eine Hommage an die Erde

„Home“ – ein Film über den Planeten Erde. Über die Entstehung des Lebens und das Zusammenspiel des Ökosystems, wo alles perfekt aufeinander abgestimmt ist und miteinander funktioniert. Das, bis der Mensch – das einzige Wesen mit Vernunft – kam und sich von der Natur weg entwickelte. Wir erheben uns über die Natur und entfernten uns immer mehr von ihr. Trotz der intensiven Forschung verstehen wir heute weniger davon als die Naturvölker, welche mit ihr im Einklang leben.

Durch die Entdeckung der fossilen Brennstoffe kam der Aufschwung und die Massenproduktion vom Band. Maschinen wurden erfunden und verhalfen uns immer mehr zu Wohlstand. Die Bevölkerung explodierte durch den Fortschritt in Technik und Wissenschaft. Die letzten 50 Jahre der industriellen Revolution waren verheerender, als die ganzen 20’000 Jahre davor. Wir zogen vom Land weg und bauten (in den letzten 20 Jahre) gigantische Städte in Wüsten auf, wo es eigentlich keinen Tropfen Wasser gibt. Wolkenkratzer wurden ein Symbol von Wohlstand und Macht. Wir leben heute in einem Komfort und Überfluss, der keine materiellen Wünsche unbefriedigt lässt.

Doch gleichzeitig opfern wir die Natur durch deren Ausbeutung. Wir sind Verbraucher in einem Kreislauf der Natur, in dem wir kaum etwas zurück geben. Wir bauen Getreide für die Tiere an, statt für uns Menschen. Wir holzen ab, pflanzen immer mehr Monokulturen an und rotten eine Art nach der anderen aus. Wir heizen die Erde auf. Wohlstand und Reichtum gibt es nur für die wenigen Gewinner, welche auf dem Rücken der Verlierer entsteht, die an den Rändern der Millionenstädte auf Müllkippen leben und nicht in den schicken Vorstädten mit Einfamilienhäusern, oder den teuren Hochhäusern in der City.

Wir müssen immer mehr Mauern bauen, um „das Glück einiger vor dem Elend der anderen zu schützen“. Wir leben einen Systemfehler. „Wir heizen das Wachstum an wie einen unersättlichen Motor, der immer mehr Benzin braucht.“ Doch Wachstum bringt nur noch mehr Ungerechtigkeit, Armut und Zerstörung. Es nimmt uns den Boden unter den Füssen weg. Verwandelt fruchtbaren Boden in Wüsten. Wir hängen von der Technik und den Maschinen ab. „Das Ende der Erdölforderung wird unser Leben bestimmen.“ Die Kriege darum führen wir heute schon im nahen Osten und in Afrika.

Nur langsam fangen wir an umzudenken. Wir reden über erneuerbare Energien und manchmal tun wir auch etwas dafür. Doch das reicht nicht. Schon gar nicht, wenn wir dabei im Hinterkopf schon wieder nur das Wirtschaftswachstum haben und Arbeitsplätze sichern wollen. Nicht die Arbeitsplätze ernähren uns, sondern die Pflanzen dieser Erde. Die können nur in einem intakten Ökosystem wachsen. Dazu brauchen sie weder chemische Düngemittel noch Pestizide, welche beide auch wiederum aus Erdöl gewonnen werden. Im Gegenteil, mit der ganzen chemischen und maschinellen Landwirtschaft haben wir den humusreichen Boden zerstört. Unsere heutigen Böden sind leblos und hängen am Tropf der agrochemischen Industrie und somit an den sehr endlichen Erdölreserven.

Der Film ist ein Überblick und kann nicht die Details zu allen Themen in der Tiefe bringen. Doch er zeigt uns, wir müssen verantwortliche Verbraucher werden. Wir müssen das System hinterfragen und ändern. Wir müssen anfangen miteinander und füreinander zu handeln, damit wir als Spezies zusammen mit den anderen Arten überleben können.

Es gibt immer mehr Länder die anfangen umzudenken. Costa Rica z.B. hat keine Armee mehr und hat sich entschieden, das Geld in den Naturschutz zu investieren.

Egal welchen Weg wir gehen, die Entscheidung liegt bei uns. Doch nur ein Weg der Achtsamkeit, Genügsamkeit, des Miteinander und des Friedens wird eine Lösung bringen, die unser Überleben, als menschliches Wesen mit Vernunft, sichert.

Lasst uns heute damit beginnen.

Sieglinde Lorz

Link zum Film „Home“ in voller Länge. https://www.youtube.com/watch?v=39ZtMx4PcsA