Mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen zu Décroissance

Nach vielen Überlegungen über das Grundeinkommen und die damit verbundenen Ängste, habe ich eine grosse Chance erkannt, die ein bedingungsloses Grundeinkommen mit sich bringen würde. Die „unsichtbare Hand des Marktes“ befürchtet die Kontrolle über ihr System zu verlieren. Und dies ist aus meiner Sicht berechtigt.

Die kritischen Befürworter sagen, es wäre nur eine Umverteilung des Geldes im vorhandenen System. Das stimmt, wenn wir von einem Grundeinkommen sprechen. Wenn wir allerdings das kleine Attribut „bedingungslos“ dazu nehmen, dann sieht es schon ganz anders aus.
Was bringt denn diese Bedingungslosigkeit so mit sich? Sie hat mal die Befreiung von der Existenzangst im Gepäck. Die Angst nicht existieren zu können, ist ein grosser Motivator in einem Arbeitssystem, das sehr viel Sinnlosigkeit beinhaltet und Kriege befielt, um die eigene systemische Existenz zu sichern. Dann bringt sie eine Frage mit, die sich viele stellen werden, wenn sie sich von einer sinnlosen, belastenden, oder unbefriedigenden Tätigkeit befreien wollen. Was brauche ich zum Leben? Und schon geht der sinnlose Konsum nach unten, das Wirtschaftswachstum bricht ein. Für die einen ein Horrorszenario, für Menschen mit gesundem Menschenverstand, die die Folgen der Wachstumswirtschaft erkannt haben, ein befreiender Gedanke. Um die finanzielle Belastung noch mehr zu reduzieren, während einer Kreativpause von der Arbeit, entstehen Idee der gemeinschaftlichen Organisation im Alltag, es entsteht Tauschhandel, Selbermachen ist angesagt und es wird die Freude und der soziale Halt in der Gemeinschaft wieder entdeckt. Oh je, schon wieder bricht der Konsum ein. Nicht nur das, plötzlich erkennen wir den wahren Unterschied zwischen Arbeitslosigkeit (ein Damoklesschwert) und Freizeit. Arbeitslosigkeit ist ein Begriff des Staates, der dazu verwendet wird, um zu sagen, wir nehmen von diesem Menschen keine Einkommenssteuern ein. Also müssen wir alles tun, um dies zu ändern. Die Mittel sind bekannt – Druck mit dem Hebel Existenzangst. Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen wird die Lohn-arbeitslose-Zeit neu Freizeit genannt, oder Raum für kreative, soziale, freudige, erholsame Aufgaben.
Dann wird sich ein weiteres Phänomen ausbreiten. Wunderheilungen finden statt, weil der Stress plötzlich um 50% sinkt. Die Menschen rennen nicht mehr zum Arzt, haben noch mehr Kraft sich nicht zu beugen und der Medikamentenverbrauch sinkt drastisch. In Folge sinken irgendwann auch die Krankenkassenbeiträge und schon haben die Menschen etwas Geld übrig. Einer der am besten wachsenden Wirtschaftszweige bricht ein – die Krankheitsindustrie. Verlust von Arbeitsplätzen? Dieses Gebet und Totschlag-Argument gehört nun definitiv ins Arbeitshistorische Museum.
Auch das Bildungssystem bleibt nicht verschont. Die Menschen lernen nun das, was sie begeistert. Sie folgen ihrer Leidenschaft und fangen an quer statt systemgerecht zu denken. Was ein Befreiungsschlag für wahre Innovation. Erst recht, wenn die Umsetzung nicht mehr an einer mindestens zweistelligen Rendite gemessen wird. Die Menschen fangen an ihre Fähigkeiten zu entdecken und ihr Potential zu leben.
Wenn nun auch noch, zu all dem genannten, die Solidarität und Kooperation in der Gemeinschaft wächst, wer möchte dann noch nach der Pfeife der „unsichtbaren Hand des Marktes“ tanzen. Oder mit anderen Worten, sich für das Kapital ausbeuten lassen und weiter an einem System festhalten, das nur das als Ziel hat.
Spätestens jetzt müssten die Liberalen jubeln, die Sozialen tanzen und die Grünen entspannt in der Wiese liegen. Warum tun sie es nicht?

Ach ja die Finanzierung, die geht nun gar nicht, sagen alle, die sich vor der Bedingungslosigkeit scheuen. Sogar reformierte Pfarrer blasen in das Horn.
Ok, ich bin Projektleiter seit viel Jahren und ich weiss, alles was man finanzieren will, kann man finanzieren. Ob man es will, hängt stark davon ab, ob es Sinn macht. Jetzt muss man nur noch fragen, für wen macht es keinen Sinn und warum … ?
Es gibt zahlreiche Finanzierungsmodelle, jedes für sich wäre ausreichend. Eine Mischung ist besser, weil diese „unsichtbare ….“ ihr wisst schon, wird Schlupflöcher suchen und finden, um hier an dem Stuhlbein zu sägen. Lenkungsabgaben und Konsumsteuern (was auch Lenkungsabgaben sind) werden irgendwann greifen. Was ja grundsätzlich gut ist. Und dann ist es gut, wenn wir noch weitere Säulen haben. Wie oben schon ausgeführt, ist klar, die Einkommenssteuer ist dann sicher ein Wegwerfmodell. In der Gegenwart des bedingungslosen Grundeinkommens ist diese nicht mehr brauchbar.

Eigentlich bräuchten wir ja kein Geld zum Leben. Denn dieses kann man nicht essen. Bis wir das begriffen und verinnerlicht haben, müssen die Finanzierungsmodelle herhalten. Danach gibt es eh kein Geld mehr und wir organisieren uns anders. Und auch dann ist der Gesetzestext immer noch gültig, denn er spricht von einem Grundeinkommen und nicht von Geld. Ausserdem muss er existenzsichernd sein und die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben ermöglichen und nennt nicht den dafür nötigen Betrag.

Als PS. noch die „Drecksarbeiten“ die schlecht bezahlten. Herr Berstet hat ja Angst, die macht keiner mehr für wenig Geld. So wird es sein. Ich träume mal. Die Müllberge stauen sich wie einst in Neapel. Überall stinkt es. Nun werden die innovativen Ingenieure zusammen mit den Rendite witternden Kapitalisten einen Roboter entwickeln, der diese Müllberge wegräumt. Die schockierten, etwas weiterdenkenden Bürger werden sich zusammensetzen und beschliessen, ab jetzt alles zu fördern, was Müll vermeidet und müllfreie Zonen (Gemeinden, Lebensräume) definieren. Mal sehen, wer schneller ist. Vielleicht gehören ja auch die Roboter dann bald zum Müll.

Sieglinde Lorz

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