Transition Town trifft Décroissance

In Bern gibt es beides, sowohl eine Transition Town als auch eine Décroissance Bewegung und diese sind sich nah. Sie teilen Ideologien, haben eine ähnliche Vision von einer neuen Welt und begegnen sich immer wieder im gemeinsamen Handeln.

In einem Wandel von unten gesteuert ist Bern schon länger. Es gibt Projekte der Solidarische Landwirtschaft wie Radiesli und Uniterre. Die Lorraine, der Breitsch (Breitenrain) und auch das Rossfeld sind Quartiere wo Gemeinschaft, Nachbarschaft und Solidarität schon lange Tradition hat. Das sind nur einige, wenige Beispiele und alle anderen Aktiven mögen mir die Nichterwähnung nachsehen. Unter dem Namen Transition Bern begann der Wandel jedoch erst im Frühling 2013, als eine Gruppe von wandelfreudigen und wandelaktiven Menschen entschied, einen Infoabend zu organisieren und so Transition Bern ins Leben zu rufen. Darunter befand auch ich mich, also eine Aktive der Décroissance Bewegung, welche im Jahre 2010 bei der damaligen Tour der Lorraine ihren Anfang nahm.
Die Ziele, welche mit der Gründung der Transition Bewegung verfolgt werden, sind mehrere. Einerseits die Vernetzung der vorhandenen Projekte, welche bereits den Wandel in Bern vorantreiben. Andererseits der Wunsch immer mehr Aktivitäten zu starten, um Bern zu einer nachhaltigen, resilienten und zukunftsfähigen Stadt zu entwickeln. So kamen etwa fünfzig Interessierte an diese Startveranstaltung und befürworteten die Initiative. Eine Kerngruppe wurde gebildet und eine weitere Vernetzung von Interessierten in den Quartieren konnte stattfinden. Denn die Begeisterung der Bürger, der Nachbarschaften und Quartiere einen gemeinsamen Weg zu gehen, bleibt auch hier die weltweit etablierte Strategie der Transition Bewegung.

Transition Bern und Décroissance Bern teilen nicht nur Ideologie und Vision, es gibt auch Menschen, welche in beiden Bewegungen aktiv sind. Bei Décroissance kämpfen sie mit Aufklärung und einer differenzierter Sichtweise gegen den Wachstumszwang im System. Eine laute Stimme, die sich unermüdlich gegen die Selbstverständlichkeit gegenüber diesem System wehrt. Bei Transition Bern können sie endlich handeln, etwas konkretes tun und somit den Frust des Kampfes gegen Wachstums-Windmühlen in positive Taten lenken.

Aber nicht alle, welche sich für den Wandel in Bern begeistern lassen und gerne Positives bewirken wollen,  können sich mit den ewig kritischen Stimmen der Décroissanceler anfreunden. Nicht selten gelten wir in politischen Kreisen als ewige Verhinderer, wenn wir den Zeigefinger heben, weil auch eine grüne Wachstumswirtschaft immer noch eine Wachstumswirtschaft ist, die primär dem Wachstum dient und nicht der Nachhaltigkeit. Der Suffizienzgedanke ist politisch nicht tragfähig. Das klingt nach Verzicht, verlorenem Wohlstand und dem Verlust von Arbeitsplätzen. So wird dann auch mal Unmut von Sympathisanten laut, wenn sich die Kerngruppe von Transition Bern entscheidet, mit Décroissance Bern ein gemeinsames Sommerfest zu organisieren, was mittlerweile regelmässig geschieht.

Aber genau dieser Suffizienz-Gedanke ist auch ein Teil der Transition Bewegung. Ein gutes Beispiel dafür ist das Projekt Transition Streets, wo die Arbeitsgruppe Energie und Mobilität von Décroissance Bern, auf Anfrage der Transitioner, bei der Übersetzung des damit verbundenen Handbuches hilft, indem sie die Verantwortung für die Ausführung des Kapitels Energie übernommen hat.
Bei Transition Streets geht es darum, dass sich Menschen in Nachbarschaften zusammen tun, um sich gegenseitig dabei zu unterstützen, das eigene Verhalten in Richtung eines sorgfältigen und sparsamen Umgangs mit Ressourcen, Reduktion von Müll, lokalem und regionalem Einkauf, gemeinsame Nutzung von Werkzeugen, etc. zu wandeln. Das Handbuch hilft als Wegweiser und Leitfaden angepasst an die politischen und örtlichen Gegebenheit eins Landes oder einer Stadt bzw. Region.
Die Stärke der Transition Bewegung, auch in Bern, liegt darin, Menschen zu verbinden und sich gegenseitig zu motivieren und zu unterstützen. So wurden beim Projekt Transition Streets auch Studenten der Uni Bern in Zusammenarbeit mit dem Center for Development and Environment (CDE) eingebunden, welche das Thema in einer Semesterarbeit behandelten. Ihrer Arbeit mündete auch in einer gemeinsam Präsentation ihrer Ergebnisse am eco Naturkongresses 2015 in Basel, wo sie diese zusammen mit Transition Bern in einem Workshop präsentieren und diskutieren durften. Seither sind einige Studenten begeisterte Transitioner und die Zusammenarbeit mit dem CDE geht weiter. So wurde im Rahmen einer Studie des CDE zum Thema Suffizienz sowohl Transition Bern, als auch Décroissance Bern eingeladen, an Workshops innerhalb der Studie teilzunehmen und ihre Sichtweise mit einzubringen. Ein guter Erfolg für alle Beteiligten und ein weiteres Kapitel in der Geschichte einer Stadt im Sog des Wandels.

Egal wo man startet und welche Ausrichtung man bei seinem Engagement hat, zeigt sich mal wieder, man muss nicht immer das Selbe tun, um Gleiches zu erreichen. Wichtig ist ein freundschaftlicher und unterstützender Kontakt, der Austausch, die Interaktion – das Miteinander auf einem gemeinsamen Weg. So wie das bei Freunden üblich ist. Am Ziel wird gemeinsam gefeiert und zwischendurch erst recht. Denn es stärkt die Verbindung in der Freundschaft, bündelt und vergrössert die Kraft in einem gemeinschaftlichen Wandel.

Sieglinde Lorz

http://www.decroissance-bern.ch / info@decroissance-bern.ch
http://www.transition-initiativen.de/group/bern / etib@websource.ch

Dieser Artikel ist in der aktuellen Ausgabe (November 2016) der MOINS! in französischer Sprache übersetzt erschienen. Diese kann unter folgendem Link bestellt werden http://www.achetezmoins.ch/